Trockenheit – ein Bericht aus der Praxis

Zwischen Hoffnung und Sorge: Ein Sommer im Zeichen der Trockenheit. Ein Bericht von Ken Flury, Förster Untervaz GR.

 

 

Der Sommer 2026 hat mich wegen der anhaltenden Trockenheit und der damit verbundenen Waldbrandgefahr beschäftigt. Ein grösseres Feuer hätte in unserem Gebiet verheerende Folgen haben können. Umso erfreulicher war es festzustellen, dass sich die Buchenbestände in den tieferen Lagen als auch die alpinen Fichtenwälder deutlich widerstandsfähiger zeigen als während des Hitzesommers 2018.

 

Damals waren die Schäden wesentlich sichtbarer. Viele Bäume starben ab oder zeigten starke Trockenstress-Symptome. Würden diese Bäume heute noch stehen, wäre das aktuelle Bild wohl deutlich schlechter. Zurzeit sind vor allem Bäume auf sehr flachgründigen und felsigen Standorten abgestorben oder stark geschwächt. Wie es dem Wald tatsächlich geht, wird sich jedoch erst in den kommenden Jahren zeigen, da die Reaktionen auf Trockenstress oft verzögert auftreten.

 

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Welke und vertrocknete Buchen, Fichten und Föhren in Untervaz GR

Welke und vertrocknete Buchen, Fichten und Föhren. Auch kleinere Eichen leiden an Trockenheit. Ob sie sich erholen werden, ist offen. Untervaz GR

 

 

Aber besonders Sorge bereitet mir die Entwicklung des Wasserhaushalts. In unserem Gebiet beobachten wir eine Absenkung des Grundwasserspiegels von durchschnittlich rund einem Meter. Mehrere Quellen, die selbst im Jahr 2018 zuverlässig Wasser führten, sind seit Monaten trocken. Aktuell bleibt lediglich eine Quelle, die noch rund sieben Liter Wasser pro Minute liefert. Früher waren es etwa fünfzig Liter.

 

Auch normalerweise wasserzügige Standorte sind vollständig ausgetrocknet. Das hinterlässt ein mulmiges Gefühl, denn viele grosse Waldbereiche profitierten bisher von dieser Wasserversorgung. Was passiert, wenn diese Quellen dauerhaft versiegen? Wie wirkt sich das auf den Wald aus? Und wie rasch werden wir die Folgen erkennen?

 

Als Förster beschäftigt mich zudem die Frage der Verjüngung. Wir brauchen die jungen Bäume von heute, damit der Wald von morgen bestehen kann. Klimamodelle zeigen, wo welcher Wald möglich wäre und dass sich die Höhenstufen zwischen 1975 und 2085, insbesondere im Szenario «sehr trocken», drastisch verändern werden. Baumarten, die heute noch gut angepasst sind, könnten künftig an ihre Grenzen kommen. Umso wichtiger wäre es, jetzt eine vielfältige und klimaangepasste Verjüngung zu fördern. Doch vielerorts verhindert starker Wildverbiss, dass sich junge Bäume entwickeln können.

 

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Karte der Waldhöhenstufen Untervaz 1975
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Karte der Waldhöhenstufen Untervaz 2085 im Szenario trocken

Illustration der Waldhöhenstufen 1975 und 2085 bei anhaltender Trockenheit, der Wald wird sich merklich verändern. Quelle: map.geo.admin.ch ➞ Geokatalog/Wald, Flora, Fauna/Höhenstufen, zuletzt besucht Oktober 2026.

 

 

Manchmal entsteht der Eindruck, dass wir einen kritischen Wendepunkt erkennen, aber zu wenig entschlossen handeln. Politische Veränderungen erfolgen oft erst dann, wenn öffentlicher Druck entsteht. Die Frage ist, ob wir dann noch rechtzeitig handeln können. Für mich ist das eine der grössten Herausforderungen der kommenden Jahre.