Bergwald
Seit Menschengedenken sind wir abhängig vom Bergwald als Schutzwald. Er schützt uns vor Lawinen, Steinschlag, Erosion und Hochwasser. Gleichzeitig dient er als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, als Erholungsraum und Holzlieferant. Als wichtiger Kohlenstoffspeicher und Lieferant von sauberer Luft spielt er zudem eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel.
Die vielfältigen Leistungen des Bergwaldes
Bedrohungen
Bergwälder stehen heute unter grossem Druck. Der Klimawandel mit steigenden Temperaturen und zunehmender Trockenheit schwächt viele Waldbestände, während Schadorganismen und Sturmschäden weiter zunehmen. Längere Trockenphasen und häufigere Extremwetterereignisse setzen den Bäumen stark zu – die Erwärmung verläuft schneller, als sich eine Baumgeneration anpassen kann (siehe Waldbericht 2025).
Gleichzeitig ist der Bergwald vielerorts strukturell geschwächt. Zahlreiche Bestände gehen auf frühere Übernutzung zurück oder bestehen als Monokulturen, meist aus Fichten. Andere Bergwälder sind erst in jüngerer Zeit durch den Strukturwandel in den Berggebieten entstanden – etwa infolge der Aufgabe von Alpen und der Verbuschung ehemaliger Alpwiesen – und sind in der ersten Generation meist noch instabil.
Ein überhöhter Wildbestand erschwert zusätzlich die natürliche Verjüngung und behindert die Entwicklung standortgerechter, klimaresistenter Baumarten wie Laubbäume oder Weisstanne. Auch Schadstoffe, Freizeitdruck und invasive Neophyten setzen dem Bergwald zu.
In der Schweiz ist eine naturnahe Waldbewirtschaftung gesetzlich verankert, hingegen nehmen die Waldflächen weltweit weiter ab – der Schutz des Bergwaldes bleibt somit eine Aufgabe von globaler Bedeutung (siehe Forst Declaration Assessment 2025).
Darüber hinaus stehen die Bergwälder vor wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Tiefe, globalisierte Holzpreise und hohe Bewirtschaftungskosten machen die Pflege vieler Bergwälder unrentabel, während gleichzeitig die Erwartungen der Gesellschaft an die vielfältigen Leistungen des Bergwaldes weiter steigen.
Pflege und Verantwortung
Störungen wie Windwurf, Trockenheit oder Käferbefall sind Teil der Natur und gehören zum natürlichen Lebenszyklus des Bergwaldes. Aus ökologischer Sicht sind sie Bestandteil des Kreislaufs – im Laufe der Zeit erneuert sich der Wald selbst, sofern keine äusseren Einflüsse dies verhindern.
Für uns Menschen werden solche Ereignisse jedoch zum Problem, wenn beispielsweise der Bergwald seine Schutzfunktion nicht mehr erfüllen oder kein Holz mehr geerntet werden kann. Wind, Schnee, Feuer oder Insektenkalamitäten wie der Borkenkäfer können ganze Waldflächen destabilisieren oder grossflächig zerstören. Fehlen die schützenden Bäume im Schutzwald, kann es für Mensch und Infrastruktur gefährlich werden. Zudem geht das Holz als nachwachsender und klimaneutraler Rohstoff verloren.
Ein sich selbst überlassener Wald richtet sich nicht nach den Schutzbedürfnissen des Menschen. Deshalb braucht es Pflege – den sogenannten naturnahen Waldbau: gezielte Eingriffe, die die Stabilität des Bergwaldes erhalten, seine Schutzleistung sichern und die natürliche Verjüngung fördern. Ziel ist dabei nicht, die Natur zu kontrollieren, sondern sie zu unterstützen – damit der Wald seine vielfältigen Leistungen für Mensch und Umwelt auch in Zukunft erfüllen kann.
Hier setzt eine nachhaltige Forstwirtschaft an: Förderung der Naturverjüngung, Jungwaldpflege, Durchforstungen und gezielte Holzernte helfen, den natürlichen Zusammenbruch zu verhindern. Waldpflege bedeutet, den Wald zu begleiten und zu stärken, damit er seine Funktionen für den Menschen erfüllen kann – ähnlich wie ein Garten, der gepflegt werden muss, um Ertrag zu bringen. Nur so kann der Bergwald seine wichtige Rolle als Schutzwald, Holzlieferant, Lebensraum und CO₂-Speicher langfristig bewahren. Pflanzungen sind dabei lediglich punktuelle Notmassnahmen: sie sind teuer und ökologisch heikel.