Bergwaldprojekt

 

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Jule Niepmann

Dieses Jahr porträtieren wir forstliche Fachleute, die im Bergwaldprojekt sind. Die angehende Forst-Ingenieurin Jule Niepmann war letztes Jahr als Praktikantin im Einsatz. Dieses Jahr arbeitete sie als freiwillige Gruppenleiterin in Trient VS.

Jule Niepmann

Jahrgang: 1996
Arbeit beim Bergwaldprojekt: Gruppenleiterin
Beruf: Studentin
Berufung: Glücklich sein
Lieblingsbaum: Dieses Jahr die Arve
Freizeit: Schnitzen, Wandern, Kochen


Jule, wie bist du auf das Bergwaldprojekt gestossen?
Im fünften Semester des Forstwirtschaftsstudiums an der Hochschule Rottenburg ist ein Praktikum vorgeschrieben. Eigentlich wollte ich in die Tropen dafür, aber die Praktikas waren zu wenig lang. So bin ich über eine Freundin aufs Bergwaldprojekt gestossen. Ich hab mich spontan am Telefon beworben und konnte dann von August bis Oktober als Praktikantin arbeiten.

Wie war dein Einsatz?
Es hat alles gut funktioniert. Ich hatte wunderbares Wetter über diese Wochen, und es hat mir total Spass gemacht. Die klaren Strukturen beim Bergwaldprojekt haben mir sehr zugesagt, dies ist mir noch viel mehr aufgefallen, als ich dann grad anschliessend mein zweites Praktikum in Indonesien fertig hatte.

Ein ganz anderes Tätigkeitsfeld.
Tatsächlich. Ich war auf der Insel Borneo im Einsatz, ein komplettes Kontrastprogramm zum Bergwaldprojekt. Sowohl vom Klima her als auch von den Menschen und der Art zu arbeiten. Auch dort hatte ich mit Aufforstung zu tun, in Indonesien ist allerdings der Verlust der Waldfläche und des Lebensraums der Wildtiere viel offensichtlicher. Wenn man da ist, sieht man: Die Ausbeutung des Landes ist sehr krass. Und in nächster Zeit wird diese wohl nicht gestoppt werden, denn es sind zu viele Konzerne und Begehrlichkeiten involviert.

Nun bist du aber zum Bergwaldprojekt zurückgekehrt.
Mir gefällt es in den Bergen sehr gut. Und das Bergwaldprojekt hat bei mir so viele positive Eindrücke hinterlassen, dass ich es gerne weiter unterstützen möchte. So habe ich entschieden, in meiner freien Zeit als freiwillige Gruppenleiterin zu arbeiten. Ich war jetzt gerade zwei Wochen in Trient und es war eine spannende Erfahrung.

Was magst du denn so an der Arbeit mit Freiwilligen im Bergwald?
Ich vermittle sehr gerne Wissen zum Bergwald und zu den diversen Arbeiten, die wir machen. Aber ein grosser Aspekt für meine Begeisterung ist die Arbeit mit den anderen Gruppenleitern. Sie sind oft Menschen, mit denen ich gut harmoniere. Die grösste Herausforderung ist es für mich, jede Woche mit dem Team eine gute Erfahrung für die Teilnehmer zu schaffen. Gleichzeitig ist es auch das, was mir am besten gefällt an dieser Arbeit. Als Team gemeinsam Verantwortung zu haben, diese soziale Komponente ist für mich sehr wichtig.

Was bringt so ein Einsatz beim Bergwaldprojekt einem angehenden Profi wie dir?
Für mich ist das eine sehr gute Schulung für die Zeit nach dem Studium. Die Gruppenleiter müssen oft sehr flexibel sein und sich auf ganz neue Situationen mit ganz verschiedenen Menschen, die sie anleiten sollen, einstellen. Genau so wird es auch nachher als Förster sein. Oft ist man dann nicht die erfahrenste und ortskundigste Person am Platz, aber jene, die Verantwortung trägt. Das bedeutet, dass man sich schnell einarbeiten können muss und ein gutes Verständnis jener Tätigkeiten haben muss, die man anordnet und überwacht. Genau das habe ich beim Bergwaldprojekt gelernt, dazu gehört auch die Sicherheit der ganzen Gruppe zum Beispiel.

Ein Gruppenleiter arbeitet jede Woche mit einem neuen Team.
Das ist für mich etwas erschöpfend. Ich brauche in meinem Leben nicht viel Wechsel, bin bodenständig und begrenze bewusst das Neue. Deshalb möchte ich nun als freiwillige Gruppenleiterin auch nicht mehr als zwei Wochen am Stück arbeiten. Man ist nie allein bei einem Bergwaldprojekt-Einsatz, es gibt praktisch keine Rückzugsmöglichkeiten. Das entspricht nicht meinem Naturell. Es ist ja auch sehr gegensätzlich, wenn man an einem ganz entlegenen Ort mit vielen Leuten ist. Ich habe zum Beispiel einmal bei einem Schulprojekt in Vrin den Jugendlichen auf einem Berggipfel gesagt, sie sollen mal fünf Minuten ruhig sein, als Spiel. Das haben sie wirklich gemacht, und dabei wohl zum ersten Mal in dieser Zeit die Natur gehört.

Was bedeutet dir der Wald?
Der Wald fasziniert mich sehr, meine Mutter hat mir die Botanik schon früh näher gebracht. Mich freut es auch, dass das Bergwaldprojekt unterschiedliche Ökosysteme pflegt. Diese Thematik spricht mich am meisten an. Ich hab zum Beispiel auch festgestellt, dass ich vermutlich nicht in den traditionellen Forstberuf reingehen werde, mich interessiert so viel, was da nicht drin ist. Symbiosen, andere Ökosysteme und vieles mehr. Ich kann mir vorstellen, dass ich das noch vertiefen werde, in einem weiteren Studium.

Wie ist jeweils die Rückkehr in die Zivilisation?
Dieses Jahr, nach zwei Wochen Trient, war es ganz in Ordnung. Letztes Jahr aber hatte ich viele Wochen am Stück gearbeitet und wurde am ersten Tag Zuhause gleich an eine Party geschleppt. Ich sass da inmitten der Leute, alles war so eng und klein und voll und laut, ich hatte einen kleinen Kulturschock. Mir ist es lieber, auf einem ruhigen Berg zu sitzen.

27. November 2017

 

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